nah : 12.2016 : 2016 (Thoughts)

Menschen lieben Jahresrückblicke.

Da schwebt überall so eine unterschwellige Hoffnung mit, dass man mit diesem einen, kostbaren Satz – mit dieser geschliffenen, exakten Pointe – den Zeitgeist so umfassend trifft / erklärt / einordnet, dass sogar Selbstmordattentäter in Pakistan geläutert werden, die Waffen niederlegen, und endlich Frieden mit der Welt schließen. Jeder trägt eine kleine Boxschatulle mit prägnanten One-Linern herum, als wäre die Welt in 140 Zeichen, in einem Meme oder gar einem ausgearbeiteten, journalistisch qualitativ erarbeiteten Artikel in ihrer Komplexität zu erklären.

Es gibt einen Grund dafür, wieso eine akademische Arbeit über die Zeit hinweg reift, und wieso nicht jeder die Ausdauer hat, eine zu formulieren. Selbst, wenn es nicht um Rocket Science geht: Abhandlungen müssen zumindest konsequent rund sein. Im virtuellen Raum “darf” hingegen jeder zum Meister seiner eigenen Meinung werden. Integrität durch Bildung, Ansehen oder andere Qualifizierungen sind egal. User wie /u/analbomber liefern analytische Abhandlungen zu Donald Trump, Brexit, die Lage der Welt, und die Meute kommentiert, hochwählt und weiterzwitschert diese einfachen Wahrheiten und Zusammenhänge.

Um mich selbst zu zitieren: Ich fand’s besser, als das Volk noch keine Stimme hatte. DAS wird man ja wohl noch mal sagen dürfen.

Die Idee, das Internet nur noch lokal zu betreiben. Es würde den meisten besser tun, sich aus den Angelegenheiten, Nachrichten und Schicksalen anderer raus zu halten. Mich eingeschlossen.

Hypernormalisation, 2 Phones

Der Rechtsruck hat sogar die Mitte ergriffen, und wer was anderes behauptet, der lügt. Der sozialistische Ansatz wird einfach besser verkörpert, wenn man schnell Konsens erreicht. Wer auf Basis derselben Kultur verhandelt, kommt schneller zum Punkt – und muss sich nicht gegenüber störender Meinungen beugen. Wer Gruppenprojekte kennt, der weiß, wie beschissen es ist, mit Menschen, die man nicht kennt, im Team zu arbeiten.

Vom ideologischen Mal abgesehen, meine ich, sollte man doch vielleicht diesen pragmatischen Gedanken in der Diskussion aufgreifen. Aufhören, das die ganze Zeit nur zu erklären und zu analysieren, und sich wirklich mal damit auseinandersetzen. Ich hasse Gruppenarbeiten und wenn mir keiner erklärt, wozu die Scheisse notwendig ist, dann werde ich mich bis an mein Lebensende dagegen weigern, in einem vor-festgelegten oder willkürlich zusammengestellten Team zusammen zu arbeiten. Die Erklärung “so ist das Leben halt” reicht mir nicht. In diesem neoliberalen System soll nun das Team wichtig sein, wenn einzig und allein Kraft der eigenen “Arbeit” jeglicher Erfolg herrühren soll? Das geht nicht auf.

In einem sind wir uns alle ja einig: Der Kapitalismus ist schuld. Oder so.

Gottseidank ist Deutschland ja keine Demokratie, sondern eine Republik. Gebaut, um Demokratie auch mal auszuhalten. Da müssen wir halt durch, genauso wie ich damals, als die Klassenkameraden das Abschlussfahrtsziel mit Mehrheit nach Lloret de Mar statt Wien gewählt haben. Ich meine, ich hatte in Lloret Spaß, aber wir alle wissen, dass Wien die nachhaltigere Option gewesen wäre.

Im Übrigen ist das mit der Nachhaltigkeit und dem Veganismus nicht wegen der Tierethik oder dem Klimawandel. Ich bin mir zu fein, um bei der Weltzerstümmelung mitzumachen, habe aber keine Hoffnung darauf, dass es irgendwas ändert. Ich bin allerdings auch zu faul, um konsequent durchzuziehen, es bleibt also nur wieder so eine fahle Selbst(ent)täuschung zurück. Whatever

Die neue Apple Scheisse macht mich fertig. Mir ist Kopfhörer-gate egal, ich steig nur langsam in der Software nicht mehr durch und das bevor ich 30 werde :( :( :(

Ich habe Geld für Candy Crush bezahlt. Aber so schlecht war 2016 nicht.

Der Standard der Welt ist ja Gewalt und nicht Frieden. Da braucht man mir mit Idealismus auch nicht mehr um die Ecke kommen. Und was haben wir von Peace & Love? Nur mehr Nippes den man einkaufen muss. Ich weiß ja nicht. Und sonstwo robben die mit Waffen durch den Dschungel um sich von Unterdrückung oder whatever zu befreien. Ahja gut, ne. Ich weiß jetzt auch nicht was besser ist: die exorbitante Menge an Containerschiffen, die das Rohöl ins Meer pumpt, um meine Klamotte zu liefern, oder der lokale Aufmarsch.

Ich halte mich ja auch für den sensorischen Nabel meiner Generation – wenn ich was empfinde, dann weiß ich, dass der Rest das auch so empfindet. Als würde zeitgleich ein Stromschlag durch die ältere Linie der Millenials gehen, und ich komme plötzlich an eine mittelmäßige Epiphanie, ein “A-Ha” Moment, sozusagen “Wenn ich plötzlich das Bedürfnis habe, die Merkel zu wählen, dann haben das alle anderen aus meinem Milieu und Habitus auch”. Ich meine, Merkel. What’s uuuuuup.

Es gibt kein Vertrauen in Leadership mehr. Nicht in Festanstellungen. Nicht in Steuererklärungen. Nicht in Steuern generell. Nicht in Geschichtswissen, nicht in Deutungshoheit, nicht in Hoheit, nüschte. Aber was man mit den Händen anfassen kann, das ist da. Das ist vor einem. Es gibt keine Implikationen mehr. Vielleicht ist das die Lösung (wieder so ein One Liner): Die Dinge sind gar nicht so komplex, wenn man einfach aufhört, über sie nachzudenken.