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07.2013 / Cannabis

In den letzten Jahren hat es einige Entwicklungen im Bereich der politischen Drogenentwicklung in Europa und den USA gegeben. Man kann nicht behaupten, dass der Diskurs Fahrt aufgenommen hätte: in einem schleichenden Tempo werden hier und da einige festgesetzte Bausteine gelockert um an anderen Stellen wieder zementiert zu werden. Zwei Schritte vor, einer zurück und umgekehrt: wo der Fortschritt liegt, ist dann Zeitweise eine Sache der Perspektive. Für die einen wäre die Legalisierung bzw. Entkriminalisierung von Cannabis und anderen “weichen” Drogen endlich eine Befreiung von diesem lästigen Thema. Weil bisher noch niemand von selbstgezüchtetem Cannabis gestorben ist, halten die meisten das bürokratische Unterfangen von Anzeigen bei Besitz und Konsum für unfassbar nervig. In einem Staat wie der Bundesrepublik Deutschland, so gilt weithin sogar die Meinung der politischen Mitte im Volk, sollte man sich mit wichtigeren Dingen beschäftigen.

Das gilt aber nicht nur für Deutschland. In den USA, wo die Gesetzesregelungen noch viel härter sind (Gefängnisstrafen schon bei Kleinstdelikten im Zusammenhang mit Drogen), haben sich immerhin mittlerweile 18 Staaten zum Cannabis und gegen den War on Drugs bekannt. Es erscheint wie eine Erleichterung, dieses Thema ad acta legen zu können: lasst die Menschen kiffen! Obdachlosigkeit, schwere Drogenmissbrauche, Kartelle, kriminelle Banden, illegaler Waffenbesitz und die unzählbaren Morde, die in den USA begangen werden, sind die durchaus wichtigeren Problemzonen. In Kalifornien, dem wohl liberalsten Bundesstaat, ist medizinisches Mariuhana fast problemlos in den Cannabis-Apotheken zu erwerben. In Kolorado kann man sogar ohne medizinische Leiden völlig frei von Auflagen und drohenden Strafen seinem Vergnügen nachgehen. Die Sport-Zigarette wird sogar versteuert: der Staat profitiert an etwas mit, was er einst als große und unberechenbare Bedrohung seiner Existenz angesehen hat.

In den Niederlanden hingegen werden ganz andere Saiten aufgefahren, etwas ungewöhnlich für den wohl kulturell liberalsten Staat Europas: bislang wurde der öffentliche Verkauf und Konsum von Cannabis (und anderen harmlosen und natürlichen Substanzen) toleriert. Jetzt dürfen nur noch Einheimische in die populären Coffeeshops. Um den Drogenhandel aus dem Ausland zu stoppen – gerade in Grenzgebieten ein Problem – sollen nur Niederländer mit einem Pass Zutritt in die heiligen Hallen der Joints bekommen. Interessanterweise, so vermuten die empörten und verlustgeschädigten Coffeeshopbesitzer, würde das doch nur zu noch mehr Verkehr im Schwarzmarkt führen. Die Regelung gilt seit letztem Jahr, jedoch ist Amsterdam als kulturelle Hauptstadt von der neuen Gesetzesgebung ausgenommen worden. In Amsterdam wird der Weed-Pass, also das Ausweisdokument zum legalen Kiffen, nicht benötigt.

Das niederländische Verfassungsgericht hat zudem den Staat dazu verurteilt, den wirtschaftlichen Schaden der Regelung entsprechend zu entschädigen. Ob das überhaupt möglich ist?

In Südamerika toben weiterhin die Drogenkriege, meist wegen anderen Substanzen wie Kokain und Heroin. Die medizinische Gefahr für das Volk ist relativ gering im Verhältnis zur derzeitigen Gefahr, die von der organisierten Kriminalität ausgeht. Wären alle Drogen entkriminalisiert, sogar legalisiert, und könnten auf normalem Wege beschaffen werden, gäbe es keine Handelszone mehr für den Schwarzmarkt. Gerade in Mexiko könnten so viele Kollateralschäden vermieden werden. So die Theorie jedenfalls. Genau lässt sich das nicht sagen, bis nicht eine Nation den ersten Schritt macht.

(Unordered)