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01.2016 / Der imaginäre Regelbruch

Es gibt einen Fetisch des imaginierten Regelbruchs, und dieser Fetisch ist vor allem für Leute interessant, die sich nicht trauen, tatsächliche Regeln zu brechen. Sie tun lieber so, als gäbe es ein Tabu – egal ob aus vorauseilendem Gehorsam oder aus rhetorischen Gründen – und vollziehen dann in einem gefühlten Regelbruch das, was nach außen mutig wirken soll, in Wirklichkeit aber lasch und längst mehrheitstauglich ist. Sie denken, das ist Punk, aber es ist kein Punk. Es ist eher Helene Fischer. Wenn sie dann dafür kritisiert werden, müssen sie nicht inhaltlich antworten, sondern können guten Gewissens sagen: Siehst du, man darf das wohl nicht sagen. Ein fast genialer Schutzmechanismus, aber nur fast.

Source: SPIEGEL ONLINE

(Culture & Sociology)