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10.2016 / Die Physik der Resonanz

Der Streit um die Resonanz ist nicht nur ein Streit um Worte, sondern ein Streit um den Umgang mit unseren großen Sehnsüchten und um die Gesellschaft, in der wir leben wollen. Rosa unterbreitet einen Vorschlag, wie eine Gesellschaft aussehen soll, die dem Glück der Menschen zuträglich ist: Sie steht ihm zufolge im Zeichen einer Wiederbelebung der “Romantik”, welche sich durch “beispiellose Resonanzsensibilität” auszeichnet. Es wäre hilfreich, wenn er bei nächster Gelegenheit verraten würde, wie er sich die Realisierung dieser charmanten Idee vorstellt. Die Signale, die er einstweilen setzt, bleiben leider ebenso unschlüssig wie sein Resonanzbegriff selbst. Mal meint er kämpferisch, hierzu müsse eine “simultane und konzertierte politische, ökonomische und kulturelle Revolution” stattfinden. Mal lobt er aber auch die moderne Technik und Ökonomie dafür, materielle Lebensbedingungen zu schaffen, die “resonante Weltverhältnisse für alle” denk- und machbar erscheinen lassen. Soll die Resonanz nun Kennzeichen einer anderen, besseren Welt sein – oder ein Sahnehäubchen, das den kalten Kaffee von Kapitalismus und Hightech verziert? Es empfiehlt sich ein ökologischer Umgang mit diesem Wort: Man sollte es mit äußerster Zurückhaltung verwenden.

http://www.zeit.de/2016/26/hartmut-rosa-resonanz-sachbuch

(Culture & Sociology)