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03.2017 / Donald Trumps Angriff auf Deutschland

Zweitens, die ganz konkrete Politik. Schulden aufzunehmen, um damit anderen Euro-Ländern zu helfen und damit mittelfristig auch wieder den Exportüberschuss abzubauen, ist ein Tabu für die deutschen Konservativen. Es war der vermeintliche Rechtsbruch der Griechenlandrettung, der die Initialzündung für die Gründung der AfD gab. Auch viele Mitglieder der CDU haben nur sehr zähneknirschend diesen Hilfen zugestimmt. Mit ihnen eine komplett andere Wirtschaftspolitik zu machen, wäre nicht einfach, auch wenn diese

Source: Donald Trumps Angriff auf Deutschland, verständlich erklärt – Rico Grimm, Krautreporter

Hier gut zusammengefasst, warum die CDU eine Bande verlogener Heuchler ist: Wer vermeintlich Pro-Europa sein möchte, aber dafür sorgt, dass Europa für Deutschland vor die Hunde geht, sorgt für ebenjene politischen und sozialen Probleme, die von anderen (nationalistischen, populistischen) Parteien ausgeschlachtet werden.

Nicht, dass die SPD damit wählbar wird, aber hier werden wenigstens symptomatisch die Dinge aufgegriffen, die wirklich zählen: Löhne müssen steigen, Schulden müssen gemacht werden, der Staat muss investieren. Dass die Deutschen meinen, es ginge in Deutschland gerecht zu – weil sie ja selbst so viel verdienen – dann ignorieren sie wie schon beim Klimaschutz oder zu den guten alten Kolonialzeiten, dass dieser Wohlstand immer noch und grundsätzlich auf den Rücken anderer aufgebaut wird. Und die SPD wirbt damit auch noch: ein gerechteres Deutschland!

Aber wo fängt Deutschland an und wo hört es auf? Fast kann man verstehen, wieso die Briten aussteigen – Europa ist kulturell wichtig, aber es wird einfach für die nationalen Interessen der mächtigeren missbraucht. Eine Enttäuschung auf ganzer Linie. Es ist vor allem besonders bitter, dass sich ein nationaler Narzissmus ausbreitet. Hauptsache, UNS geht es gut. Statt ein bisschen etwas von Wohlstand und Wachstum für alle abzugeben und dadurch unsere Zukunft fundamental abzusichern, will lieber jeder so viel bunkern wie möglich – egal, wie volatil dieser Gegenwartshandel sein mag.

Wo bleibt die Reflektion? Es geht schon lange nicht mehr “nur” um Flüchtlingspolitik, Auto-Maut oder Donald Trump. Es geht nicht darum, großzügig für andere zu sein, sondern großzügig für sich selbst. Spenden, Hilfe, Rettungsaktionen – alles nur abstumpfende Placebos für eine Krankheit, die man durch ein bisschen mehr Abstinenz von der ewig-währenden Party heilen könnte.

Jeder von uns spielt Wolf of Wallstreet. Koksen auf Kosten anderer. Die Zukunft wird sekündlich abgeschlossen und einen Bach der Armut und des Leides heruntergespült. Das ist nur traurig.

Europa war im Verhältnis zu dem, was es geworden ist, ein praktisch idealistisches Projekt. Es hätte ein Vorbild für die Welt sein können, jetzt ist es eine Farce geworden.

(Politics)