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07.2016 /  “Ich bin Deutscher!”

Wir müssen aber weiter die immer gleichen Fragen stellen: Wieviel Geld und Zeit und Manpower hat dieser reiche Staat, um in Bildung, in Beratung und Betreuung zu investieren? Warum schaffen wir es immer noch nicht, Asylanträge zügiger zu bearbeiten? Warum müssen Menschen über Jahre in schwierigen Einrichtungen vor sich hinsiechen? Warum lassen wir Desillusionierungen in großem Umfang bei Menschen zu, die hierher kamen, weil sie dachten, Deutschland sei ein besserer Ort als der, von dem sie flohen? Wie bekommen wir wieder Kitt in unsere gespaltene Gesellschaft? Wollen wir wirklich eine Welt, die von Hardlinern wie Erdogan, Assad, Putin, Le Pen, Trump und Orban regiert wird?

Welche Narrative können wir dem entgegensetzen? All die Deutschen mit Systemparanoia und Abstiegsangst in einer turbokapitalen Welt? Welche positiven Erzählungen taugen für vorsichtigen Optimismus? Wie bekommen wir noch mehr Stimmen aus der jungen muslimischen Welt in die Öffentlichkeit, die den desillusionierten Geflüchteten klarmachen:Der IS ist keine coole Popband, sondern ein Haufen Scheiße. Und welche Geborgenheit können wir uns allen anbieten, die nicht auf die Verbindung von Religion und Macht einzahlt.

Der Baggerfahrer, der David S zusätzlich zu einer Bierflasche die Worte entgegenschleuderte: “Du bist a Wixa” und kein Deutscher, hatte nicht nur Chuzpe, sondern in diesem Punkt instinktiv auch Recht: Gewalt und Terror haben keinen Pass und keine Nationalität und keine Religion. Wir als Gesellschaft haben jetzt die schwierige Aufgabe, das Wort “Wixer” in ein positives Narrativ zu überführen. Mit all dem Geld, der Geduld, der Liebe und der Zeit, die uns zur Verfügung steht. Wir müssen wieder lernen, eine positiv wehrhafte Demokratie zu sein.

Source: Kommentar: “Ich bin Deutscher!” – “Du bist a Wixer!”

(Culture & Sociology, News)