nah : 03.2014 : Isabell Lorey: Gouvernementalität und Selbst-Prekarisierung | eipcp.net (Random)

Bei der hier suggerierten Haltung ist es entscheidend zu glauben, die eigenen Lebens- und Arbeitsverhältnisse seien selbst gewählt und deren Gestaltung sei relativ frei und autonom. Tatsächlich sind die Unsicherheiten, die mangelnden Kontinuitäten unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen zu einem großen Teil durchaus auch bewusst gewählt. Im Folgenden geht es jedoch nicht um die Fragen ‚Wann habe ich mich wirklich frei entschieden?’, ‚Wann agiere ich autonom?’, sondern darum, in welcher Weise Vorstellungen von Autonomie und Freiheit konstitutiv mit hegemonialen Subjektivierungsweisen in westlichen, kapitalistischen Gesellschaften zusammenhängen. Der Fokus dieses Textes liegt dementsprechend darauf, inwiefern durch ‚selbst gewählte’ Prekarisierung die Voraussetzungen dafür mitproduziert werden, aktiver Teil neoliberaler politischer und ökonomischer Verhältnisse werden zu können.

Aus dieser Sicht können keine generellen Aussagen über KulturproduzentInnen abgeleitet werden, auch nicht über all diejenigen, die aktuell prekarisiert sind. Was durch eine Problematisierung dieser ‚selbst gewählten’ Prekarisierung jedoch deutlich wird, sind die historischen Kraftlinien[2] moderner bürgerlicher Subjektivierung, die unmerklich hegemonial sind, normalisierend wirken und möglicherweise „Gegen-Verhalten“ [3] blockieren.

via Isabell Lorey: Gouvernementalität und Selbst-Prekarisierung | eipcp.net.