yeahsara.com /

06.2014 / Kampf der Kulturen: Kritik

Huntingtons Idee ist eine des 20. Jahrhunderts, weil sie die Welt in Blöcke teilt: die westliche Zivilisation (Europa, USA), die islamische, die konfuzianische, die lateinamerikanische, und so weiter. Es ist seltsam, dass die Südamerikaner demnach nicht zum Westen gehören und sunnitische und schiitische Muslime eine Einheit bilden. Generell widerspricht dieses Blockdenken der vernetzten Welt von heute, in der selbst Rivalen wie die USA und China stark voneinander abhängen.

Vor allem aber ist der kulturelle "Clash" zwischen Huntingtons Blöcken ausgeblieben. Die blutigsten Konflikte finden innerhalb von Zivilisationen statt, nicht zwischen ihnen. Im Kongo bringen Afrikaner Afrikaner um; in Ägypten ermorden Muslime Muslime, im syrischen Bürgerkrieg sind wohl mehr Menschen gestorben als bei der US-Invasion im Irak. In den Neunzigern wiederum ist der Westen auf dem Balkan den Muslimen beigesprungen. Am ehesten noch schien Huntington 2001 richtig zu liegen, aber die Al-Qaida-Terroristen sind nie Gesandte des traditionellen Islam gewesen, sondern Entwurzelte, die im Westen einem islamisch gefärbten Nihilismus verfielen.

via Buch "Kampf der Kulturen": Warum Huntington falsch lag – Politik – Süddeutsche.de.

Man fragt sich, ob die Kritik angebracht ist, wenn die kriegerischen und zerstörerischen Schneebälle, die ins Rollen gebracht wurden und die letztendlich Bürgerkriege ausgelöst haben, nicht auch Fremdeinwirkungen waren (also von West nach Ost und umgekehrt). In diesem Ausmaß die Krisenländer und derzeitigen Konflikte fast schon historisch isoliert zu betrachten ist genauso verfehlt wie jegliche Probleme darauf zu schieben, dass die Kulturen von Block zu Block bekämpfen.

(Culture & Sociology)