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01.2012 / unsaid

Authentizität ist ein hart zu schluckender Brocken. Viel von der Authentizität wird über Sprache vermittelt: wie redet jemand, sobald er sein privates Umfeld verlässt, wie verhält er sich in anderen sozialen Gruppen, beeinflusst ein Ethnolekt, Soziolekt, oder eine andere Varietät seine Ausdrucksweise in neuen Umgebungen; passt die Person sich ihrer gewählten Umgebung an, oder fügt sie sich durch Rebellion ihrer Sprachwahl? Ich bediene mich gerne des “Crossings”, nicht unbedingt satirisch, auch nicht ironisch, sondern nur distanzierend, so wie um zu sagen: mir ist bewusst, dass ich nicht zu euch gehöre, mir ist auch bewusst, dass ihr denkt, dass ich nicht zu euch gehöre, hier besteht kein Anspruch auf Authentizität, das hier ist etwas, was ich mache, um in eine neue Rolle zu schlüpfen.

Die Gelegenheit, das, was ich gerne mache so umzusetzen, dass ich dafür Geld verdiene, bedeutet auch, mich hinter dem Crossing zu verstecken und mich einer Umgebung anzupassen, die mich als unauthentisch verstößt. Genaus werde ich auch von meiner Peer Group verstoßen, die meinen Rollenwechsel nicht gutheißt – warum auch? Auch das ist ja ein Beweis, das mir nichts an meiner (sprachlichen) Herkunft liegt.

Aber es ist, wie es ist, und ich bin die einzige, die damit umgehen muss – bis ich es nicht mehr muss. Dabei sind es eben nicht die Low Hanging Fruits oder die Opportunities, die mir zeigen sollte, wo es lang geht, sondern immer auch der Blick nach oben, unten, links und rechts: was ist vielleicht schwieriger zu erlangen, aber ohne mich wieder und wieder hinter irgendwelchen Entschuldigungen zu verstecken?

Eines Tages möchte ich meinen Idealen entsprechen und mich nicht aufgrund von Ohnmacht vertrösten. Meine Ansprüche sind nicht mal hoch: alles ist möglich. Ich darf nur nicht immer die einfache Entscheidung treffen, manchmal muss es eben auch länger und härter sein.

(Unordered)