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08.2013 / Weeds

Sechs Staffeln lang war Weeds die aufregendste Serie, die das amerikanische Fernsehen im Halbstunden-Format hergeben konnte. Weeds war der Grund für den plötzlichen Erfolg des Bezahlsenders Showtime. Der intelligente Plot der Serie, die großartigen Schauspieler und das Single-Camera-Format gaben dem Sender einen Vorsprung gegenüber Konkurrenten wie HBO. Eine Komödie, die bis heute Seinesgleichen sucht. Die verwitwete Mutter Nancy Botwin muss sich, ihre zwei Söhne und ihren Schwager in einer kleinen kalifornischen Vorstadt über die Runden bringen und sucht sich einen lukrativen Job dafür: sie verkauft Cannabis. Über mehrere Staffeln hinweg wird die absurde Unternehmung immer größer, bis sie internationale Drogenkartell-Ausmaße annimmt.

Das humorvoll-dadaistische Drama um die Botwins war die schönste TV-Serie seit der Entdeckung von Cannabis. In allen möglichen Entwicklungsstufen wurde das kriminelle, kulturelle wie wirtschaftliche Erbe der beliebten Pflanze auf die Probe gestellt. Zuerst verkauft Nancy nur, später baut sie selber mit Hilfe von Autoflowering Hanfsamen im Hinterzimmer einer Bäckerei ein, bis sie schließlich nach Mexiko fliehen und sich mit neuer Schmuggelware auseinander setzen muss.

Aber irgendetwas passiert mit Weeds. Erfinderin der Serie, Jenji Kohan, hat wohl nach 6 Staffeln ein bisschen den Atem verloren und nicht mehr gewusst, wie sie nach vielen spektakulären Twists und Actionszenen noch eins draufsetzen kann. In der 7. Staffel kehrt sie zurück in eine Welt, die zwei Jahre nach der letzten Folge ihr Treiben aufnimmt. Dieser Zeitsprung tut Weeds offensichtlich nicht gut, die Zuschauer steigen aus. Es geht schon nicht mehr um den komischen Zusammenhang von harmlosen Drogendeals und einer starken Frau und Mutter, sondern um zwischenmenschliche Rührseligkeiten und weitere unglaubliche – selbst für die Realität der Serie eher unwahrscheinliche – Vorfälle und Screenplay-Plots.

Statt der Serie ein würdiges Ende nach einer eher gescheiterten Staffel zu verleihen, geht der Sender Showtime um eine Staffel weiter. Das Ende der achten Staffel führt die Botwins – Nancy und ihre mittlerweile drei Söhne – wieder zusammen. Silas interessiert sich seit jeher für das Familienunternehmen und gilt als der Botaniker. Es ist absehbar, dass die letzten Folgen der Serie in einer konsolidierenden Bewegung Richtung Happy End verlaufen: Nancy und Silas arbeiten nun legal für die Marihuanaproduktion.

Dieses Ende ist so fatal wie langweilig. Weeds hat bei Weitem besseres verdient als ein Ende der Reflektion. Viele Fans sind enttäuscht- die Serie hätte bereits nach der sechsten Staffel enden können oder wenigstens ein genauso absurdes oder komisches Ende verdient, statt so lange noch auszubluten und schließlich all seine Fans in einem chaotisch sinnlosen Finale trauern zu lassen.

(Unordered)